Bücherliste der Kerneknacker

Na klar, ich erzähle immer wie wichtig Lesen und Singen ist. Naja ich habe damit das Rad ja jetzt nicht neu erfunden. Ich werde sehr häufig gefragt, welche Bücher ich vorlese und was ich empfehlen kann.

Ich kann eigentlich gar nicht oft genug sagen, wie sehr ich Sprache liebe. Deswegen ist es für mich wichtig, dass die Texte etwas Spezielles haben. Was das ist, kann sehr unterschiedlich sein. Von Worterfindungen und Non-Sense-Wörtern bis zu lyrisch anwandelnden Geschichten, dialektalen Einschlägen oder Reimen. Man kann mich mit sehr vielem Begeistern.

Nur bitte keine Comics……ich lese sie einfach nicht gerne vor. Ich denke trotzdem, dass man sie vorlesen sollte. Wenn Kinder lesen, lesen sie. Das ist gut. Ganz einfach. Zum Lesen gehört meiner Meinung nach auch die haptische Erfahrung, wie sich also Bücher und Magazine und Zeitschriften unterscheiden. Das Blättern und Erkennen von Zusammenhängen ist für mich ein wichtiger Teil des Leseerlebnisses. Auch das Lesen von Comics fördert die Freude an Buchstaben und bisweilen auch die Rechtschreibung….nicht unbedingt die Grammatik aber eben auf jeden Fall den Spaß. Das allein genügt. Also zwinge ich mich ab und an und in bestimmten Situationen auch dazu Comics vorzulesen. Ich knirsche ganz schön mit den Zähnen. Auch jetzt beim Schreiben. Aber was tut man nicht alles für die süße Brut.

Ab welchem Alter Kinder welche Geschichten verstehen und mögen ist natürlich abhängig von den Kindern. Und von deren Präferenzen. Es gibt Kinder, die mögen zum Einschlafen gerne viele Bilder. Es gibt aber auch welche, die schon die Augen zumachen oder nicht mehr hinschauen und einfach nur gerne der Stimme des Vorlesers lauschen.

Es gibt die unterschiedlichsten Lesesituationen, die auch altersabhängig unterschiedlich wahrgenommen werden.

Bei kleinen und Kleinkindern ist die abendliche Vorlesezeit im Bett sicherlich nicht unbedingt dafür zu verwenden den Kindern noch etwas beizubringen. Bei älteren Kinder, im Schulalter, kann das aber sinnvoll sein. Man kann durchaus vor dem Schlafen noch einmal alles durchlesen, was man am nächsten Tag in der Schule braucht. Manchmal lernt das Gehirn in der Nacht weiter und das Wissen verfestigt sich. Das ist eine super praktische und teilweise auch erlernbare Fähigkeit.

Es spricht auch gar nichts dagegen vor dem Schlafengehen Sachbücher vorzulesen. Auch Märchen sind denkbar. Kinder hinterfragen Märchen nicht in dem Sinne, wie wir das tun. Manche Märchen sind aber wirklich sehr gruselig und erschreckend. Man kennt ja seine Kinder und weiß in der Regel was gut ist und was nicht. Manche Kinder leben ja auch als Feuerwehrmänner und träumen dann auch sehr gerne und völlig entspannt davon. Andere regt so etwas vollkommen auf.

Die abendliche Vorlesezeit ist wichtig für die Lesestimmung und für die Stimmung die die Kinder vor dem Einschlafen von uns überlassen bekommen. Vorlesen ist eine innige Verbindung von Außen- und Innenwelt und auch ich als Erwachsene genieße das sehr.

Ich gebe mir auch große Mühe. Ich verstelle die Stimmen. Ich artikuliere intensiv. Dadurch kann ich leise sprechen, was – so hoffe ich dann – zu einer ruhigen Bettatmosphäre beiträgt. Und wenn ich mich bemühe, macht es mir auch Spaß. Wenn ich beim Lesen daran denke, dass ich noch die Wäsche holen muss und morgen den Einkauf…..dann bin ich zwar fertig mit der Geschichte aber so richtig befriedigend war das meist nicht.

Dann gibt es natürlich den Fall, dass man zwei Kinder hat. Und wenn es keine Zwillinge sind haben sie einen Altersunterschied und dementsprechend unterschiedliche Bedürfnisse. Wenn sie nicht zwei unterschiedliche Bettzeiten haben, kommt man zwangsläufig in die Situation, dass man beiden zeitgleich vorliest, dann darf sich bei mir jeder ein Buch bzw. eine Geschichte aussuchen. So viel Zeit muss sein. Dinge vor denen eines der Kinder Angst hat vermeide ich. Das erkläre ich auch. Ich denke zur Schlafenszeit muss man sich nicht mehr zusammenreißen müssen. Also werden Bücher herausgesucht, die nicht ängstigen. (Manchmal ist das wie die Suche nach dem heiligen Gral. Alles ist furchtbar beängstigend. Aber hey…..ne Phaaaaaase – klar!!!)

Sehr gerne stelle ich euch hier zusammen, welches meine momentanen Lieblingsbücher sind. Also natürlich hinsichtlich der Kinder. Es nützt ja nicht so viel, wenn ich die Bücher mag und niemand zuhört. Klar. Es ist eine kleine Auswahl. Und nicht vollständig. Aber das sind so die Bücher, die ich auch gerne verschenke und sehr gerne vorlese.

Das hier ist keine bezahlte Werbung. Ich werde und wurde von niemandem bezahlt, die Bücher hier aufzuführen. Ich bin ganz von allein auf den Krams hier gekommen 😉 Die Reihenfolge spielt hier keine Rolle.

Die Schnecke und der Buckelwal

Axel Scheffler und Julia Donaldson 

Ich bin ein großer Fan der beiden Autoren. „Die Schnecke und der Buckelwal“ ist mein unumstrittenes liebstes Vorlesebuch. Aber ich bin auch ganz angetan von „Mein Haus ist zu eng und zu klein“, „Für Hund und Katz‘ ist auch noch Platz“, „Flori Flunkerfisch“ (den Anfang kann mein Sohn auswendig, was aber auch am äußerst gelungenen Hörspiel dazu liegt.) und „Riese Rick macht sich schick“  (den kann die gesammelte Familie fast auswendig)

Diese Bücher sind alle in Reimform geschrieben. Die Autoren verwenden unterschiedliche Reimformen und Rhythmen, so dass die Kinder und die Vorleser gleichermaßen beschäftigt werden und bleiben. Durch Alliterationen (also ähnliche klingende Wortanfänge) entstehen geradezu sprachliche Herausforderungen an denen Kinder und Erwachsene ihre Artikulation üben können. („Silbrige Schneckenschrift-Schnur“) Zu dem sind es einfach sehr schöne und humorvolle Geschichten in einer schönen dichten, aber nicht komplizierten oder aufdringlichen Sprache.

Bei drei auf den Bäumen

Saskia Hula und Ulrike Möltgen

Ein tolles Buch über einen Tiger, der einen Urwald im Griff hat und ein Stachelschwein, dass kurz und ungefragt Gast des Urwaldes wird. Es versteht den Tiger und seine Drohungen einfach nicht.

Ein Buch auch über das Anderssein in anderen Ländern, übers Sprechen und das was hinter den Worten steht.

Mir gefällt besonders, neben der aktuellen Thematik, die aber nur uns Erwachsenen klar sein dürfte, die Dynamik der Geschichte. Man kann laut und leise, seltsam und drohend, heiser und bestimmend, niedlich und furchteinflößend sprechen. Es kann für uns Vorleser eine Herausforderung sein. Ich mag das sehr. Man kann es aber auch einfach nur vorlesen. Klar!!!

Ich bin der Stärkste im ganzen Land

Mario Ramos und Markus Weber

Ein Wolf der sich gerne seine Bestätigung durch die Bewohner des Waldes holt…..bis eben dieser kleine „Quabbelwabbel“ auftaucht.

Eine kurze, schöne und lustige Geschichte, die zeigt „große Klappe nichts dahinter“. Nicht wer am lautesten brüllt ist automatisch der „Bestimmer“, um es mal mit den Worten der Zielgruppe zu sagen.

Flosse Fell und Federbett

Nadja Budde

Ein sehr nett geschriebenes und illustriertes Buch. Kleine feine überraschende Reime mit Humor. Ein schönes Geschenk und eines meiner absolut liebsten kurzen Geschichtchen. Gibt es auch im Pixieformat und lohnt sich in jedem Fall.

So schön ist der Herbst

Rose Flock und Iwamura Kazuo

Matz und Fratz und das Lisettchen sind die Kinder einer Eichhörnchenfamilie, die niedliche sanfte Kinderabenteuer erleben. Das Buch ist eines von mehreren Büchern über die kleine Familie, die im Baum lebt. Unaufgeregt, niedlich gezeichnet und ein ruhiges kleines Abendteuer vor dem Zubettgehen.

Einer mehr

Yvonne Hergane und Christiane Pieper

Ein Bilderbuch genau wie ich es mag. Lustige wirklich sehr farbenfrohe Bilder, mit unterhaltsamen Kinderreimen. Anstatt immer jemanden zu verlieren, wird der Kinderbande auf jeder Seite ein Kind hinzugefügt. Man braucht etwas Konzentration um dieses Kind ausfindig zu machen, aber in der Regel sind da die lesenden Kinder ja besser als man selbst.

Ein tolles Buch um ein Gefühl für das eigenständige Lesen zu entwickeln. Meine Kinder nehmen es sehr gerne mit aufs Klo 😉 Ich glaube das ist ein gutes Zeichen. Es gibt viel zu sehen, viel zu entdecken, auch ohne Lesekompetenz und doch ist es ein einfaches Buch. Einfach schön.

Das kleine Blau und das kleine Gelb

Leo Lionni und Günter Strohbach

Ein Klassiker der Kinderliteratur denke ich. Zumindest in meinen 4-Wänden. Ich kann von diesem Buch nicht genug bekommen. Die Basics der Farbenlehre, die Freundschaft von zwei Farbklecksen. Ich liebe dieses Buch inniglich.

Pipikack

Stephanie Blake

Der kleine Hase Simon kann und will nichts sagen außer diesem einen Wort – bis er eines Tages gefressen wird……

Es überrascht nicht, dass die Kinder dieses Buch lieben. Ich finde es auch toll. Es findet eine tolle Interaktion zwischen den Kindern und mir statt und es ist Platz für die Worte, die man sonst versucht nicht zu oft hören zu müssen. Simpel und gut!

Kaspar Mütze und der Riese Wirrwarr

Janosch

Ich mag Janosch an sich sehr gerne. Die Kritik, dass es sich gelegentlich nicht einmal um vollständige Sätze handelt. Kann ich nicht teilen. Echt jetzt. Warum? Nicht vollständig?

Janosch schaffte es schon immer, die kindliche Welt in greifbare Worte zu packen. Mit einer kindlichen Regellosigkeit verwendet und erfindet er Sprache, Sprachspiele, Reime, Geschichten und Märchen. Die Fantasie, die diesen Geschichten innewohnt ist schier grenzenlos. Alles ist erlaubt in dieser abenteuerlichen, tierischen Welt. Ein Traumland, in dem ich mich gerne aufhalte. Auch länger als 5 Seiten lang.

Ich freue mich immer – wirklich immer – über neue Vorschläge. Wenn euch diese Listen interessieren, dann kann und werde ich die Listen immer wieder erneuern. Also wenn ihr das Thema aufgreifen wollt, dann freue ich mich.

Also? Was sind eure Meinungen?
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