Der Mama ihre komischen Regeln

Von Fällen und Un-Fällen

20150622_150000Ob ich mich da nun verhört habe oder nicht…..ich weiß es nicht genau. Manchmal beschäftigt mich eine Sache so sehr, dass ich gar nicht mehr weiß was jetzt richtig oder falsch ist. Ich bin betriebsblind oder einfach zu müde – letzteres ist natürlich immer eine Option. (Mein letzter Geistesblitz beim Einkaufen: „Oh es gibt schon wieder Rumkugeln….mmmmh das essen die Kinder sicher auch gerne.“)
Im Radio habe ich aber das neue Lied von Silbermond gehört. Es heißt „leichtes Gepäck“ und ich könnte schwören, dass die Sängerin singt „es reist sich besser mit leichteN Gepäck.“
Was ich da meine zu hören, also „leichtn Gepäck“ ist ein Phänomen des Sprechens, das sogar sehr leicht zu erklären ist. Man nennt es Ökonomisierung der Sprechweise und auch Assimilation, was soviel bedeutet wie:

So isses einfacher für die Zunge!

Wenn wir ein [t] sprechen, merken wir, dass die Zunge hinter den oberen Schneidezähnen liegt. Sprechen wir jetzt ein [m] dann können wir feststellen, dass die Zunge im Mund liegt und die Lippen geschlossen werden. Der Aufwand vom [t] zum [m] ist also recht groß.
Sprechen wir jetzt noch einmal ein [t] und im Anschluss direkt ein [n] so spüren wir, dass die Zunge an der gleiche Stelle, also hinter den oberen Schneidezähnen liegen bleiben könnte. Beim [n] passiert mit der Zunge und den Lippen gar nichts weiter, was uns Aufwand kostet. Das Velum, also das Gaumensegel wird gesenkt, so dass die Luft aus der Nase entweichen kann. Das [n] ist also dem [t] viel näher und einfacher zu artikulieren. Deswegen passiert so etwas schon einmal.
Man kann das gut probieren in dem man hintereinander /leichtn leichtn leichtn leichtn/ und danach /leichtm leichtm leichtm leichtm/ spricht. Letzteres ist mir persönlich sogar so unangenehm, dass ich lieber noch den Vokal einfügen würde /leichtem leichtem leichtem/. Das ist natürlich jedem selbst überlassen.

Wie gesagt, ob es stimmt oder nicht …. wer weiß es schon. Aber warum mich das so beschäftig liegt daran, dass es gerade ein Riesending von mir ist. Mein Sohn verwechselt neuerdings die Endungen. Nein so kann man es eigentlich gar nicht sagen. Er verwechselt es nicht. Er nimmt einfach immer die Akkusativendung.

Er ist 5 er hat also genauso wenig Ahnung von Akkusativ und Dativ wie gefühlt 90% der Bevölkerung.

Klar, leiten deutlich mehr Verben den Akkusativ ein als den Dativ. Aber hey, sollte mein Sohn, also gerade MEIN Sohn das nicht besser können? Bastian Sick schrieb das Buch „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ aber mittlerweile verschmelzen die Fälle zu einer Suppe aus Falschem.
Mich hat das schon gestört zu Zeiten in denen Verona noch Feldbusch hieß. Auch sie hat da eine „kleine Schwäche“. Von dem akustischen Rest ganz zu Schweigen. Aber dass sich diese „kleine Schwäche“ jetzt so ausbreitet….in meinen vier Wänden. Ist schon gruselig.
Es ist schließlich keine Wahlfreiheit. Das Deutsche unterliegt bestimmten Regeln die die Sprache so einzigartig werden lässt. Und wenn man sich nicht an diese Regeln hält, dann funktioniert sie nicht mehr. Und ich habe mir diese Regeln nicht ausgedacht. Auch wenn man es meinen könnte, denn wenn ich im Kindergarten meiner Kinder meine Ohren aufstelle, dann stelle ich sehr schnell fest, woher bestimmte Ausdrucksarten und Aussprachevarietäten kommen.
Natürlich will ich nicht, dass jeder der mit meinen Kindern umgeht so spricht als würde er den Brockhaus rezitieren. Um Himmels Willen, das will ja nun wirklich keiner und auch ich spreche mit unvollständigen Sätzen. Man spricht nun einmal wie man spricht.

Und man spricht nicht wie man schreibt.

Ich bin auch ein großer Freund von Dialekten. Ich liebe das Hessische und ja ich mag sogar das Saarländische.

Wichtig ist nur, dass man weiß wie es hochsprachlich hieße. Und da liegt der Hase im Pfeffer.

Da schon seit einer geraumen Zeit die Kinder in den Schulen auf eine andere Art 20151102_091855_resizedund Weise schreiben lernen als das meine Generation noch getan hat (und hey ich bin schlappe 35 Jahre alt) ist es sehr wichtig, dass die Kider richtig sprechen lernen. Das neuere System (das es auch schon 15 Jahre lang gibt) nennt sich „Lesen durch Schreiben“. Die Kinder sollen so schreiben, wie sie sprechen. (Ich widme mich bald einmal ausführlich dieser Thematik.) Tja, aber weiß schon heutzutage noch wie man richtig spricht?
Weder in der Erzieherausbildung noch in der Lehrerausbildung wird Grammatik und Phonetik unterrichtet. Ok, die Germanisten machen ein bisschen Phonologie und Phonetik, aber man darf ja nicht vergessen, dass auch Mathelehrer, Sportlehrer, Religionslehrer…..alle Lehrer und Erzieher mit unseren Kindern kommunizieren. Und die Kinder ahmen in erster Linie nach.
Mein Spracherkennungskram auf meinem Handy gibt mir auch diese fiesen Autokorrektur-Vorschläge und ich korrigiere sie nicht immer. Ich bin zu faul und es nervt. Da schreibt man schnell mal, „Ich bring dir n Burger mit.“ was aber weeeeenigstens „Ich bring dir NEN Burger mit.“ heißen müsste. Es ist wie verhext.

Ich versuche zusammen mit meinem Sohn darauf zu achten. Es geht dabei nicht um Regeln, sondern um das Sprachgefühl, dass die Kinder nicht verlieren dürfen. Sie sind noch klein genug nicht nach Mamas Regeln („der Mama ihre Regeln“) sprechen zu müssen. Sie nehmen meine kleinen Korrekturen an – in der Hoffnung auf bessere Diktate und Aufsätze, wenn es dann einmal so weit ist.

Was sind eure Erfahrungen?

Schreib einen Kommentar

BRIGITTE MOM BLOGS
footerfacebookicon twitter instagram bloglovin
Instaknacker
Blog via E-Mail abonnieren

Alle neuen Kirschkerne via Email!

November 2017
M D M D F S S
« Sep    
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
27282930