Es gibt keine sch*** Zahnfee!

Das nehme ich jetzt auf meine Kappe. Ich habe mir zugegebener Maßen nicht einmal die Mühe gemacht herauszufinden, woher – ethymologisch gesehen – diese beknackte Zahnfee-Idee herkommt. Sie gibt es ja auch im Englischen….aber es ist mir auch vollkommen egal.

Ich habe die Nase so voll von den Wesen, die es angeblich gibt, die den Kindern ständig, pausenlos, immerzu und für jeden beknackten Scheiß Geschenke, Schokolade, Spielzeuge oder Geld versprechen.

Schnullerfee, Zahnfee, Töpfchenfee, Führerscheinfee, Menstruationsfee?! – im Ernst jetzt.

Wann hört das auf?! Wo soll das hinführen?! Wer hat sich das ausgedacht?! Und vor allem: WIESO?!?!?

Ich bin immer gerne bereit Kinder auch zu belohnen, für Dinge, die gut laufen. Oder sie einfach mal zu überraschen mit Kleinigkeiten. Wie meine Freundin einmal sagte: „Schockier‘ die Kinder, sag einfach mal JA!“

Aber hey,

den Kindern fällt nun einmal irgendwann der erste Zahn raus. Es ist ein Entwicklungsschritt – aber keine Fähigkeit.

Und es ist ein großes Ereignis. Aber es ist nicht mutig und irgendwie auch wenig belohnenswert, denn sie könnten es nicht einmal verhindern wenn sie wollten. Aber ich freue mich total mit ihnen. Mit dem Kind, über das Kind, über meine Wehmut, über sein Gefühl jetzt zu den Großen zu gehören. Ich will das überhaupt nicht verbinden mit nem Euro, oder nem Ninjago Karten-Pack.

Viel lieber, will ich, dass sie merken, dass Entwicklung etwas Tolles und Gutes ist und ich begleite sie. Aber ‚begleiten‘ heißt ja nicht ‚durchdrehen wenn etwas Natürliches passiert.‘

Was geschieht denn da? Wie stellt man sich vor, dass Kinder das Gewicht von Lob wahrnehmen? Nur durch Dinge? Was ist mit einer althergebrachten, festen Umarmung und einem frohen Gesicht? Wie wertvoll ist eine Kugel Eis zur Belohnung (die im Übrigen mittlerweile mit 1,10€ teurer ist als ein Ninjago-Pack!), oder einfach 10min langes und ausführliches Besprechen der hammerharten-mega-Leistung (ob jetzt aktiv oder passiv ist ja wurscht)?

Sich als Eltern die Zeit zunehmen, das Kind ausführlich zu loben, mit Worten, mit Körperlichkeit, mit Zeit. Das kommt irgendwie viel zu kurz in meinen Augen.  

Mein Sohn hat mir nach einem Wochenende beim Papa stolz seinen Zahn gezeigt. Endlich ist er raus. Man, das hat aber auch gedauert. Er guckte mich an und sagte „oh man, wie cool, dann kommt die Zahnfee wieder.“ und meine Tochter (der seit einem Unfall auch ein Zahn fehlt, zu der aber nie die Zahnfee gekommen ist, weil mir das damals nicht einmal bewusst war, dass das überhaupt ein Thema sein könnte) fing sofort an zu winseln…..“uuuuuhuuund iiiihiiiiich?“ Ich habe, in einem Zustand vollkommener Umnachtung noch versucht zu erklären, dass die Zahnfee nur kommt, wenn die Zähne bereit sind auszufallen und blablabla….irgendwann verfing ich mich im Lügengewirr und sagte zunächst leise „Also als ich so alt war wie ihr, da gab es gar keine Zahnfee.“ Die Gesichter hättet ihr mal sehen sollen.

„WAS?! Ja wer hat dir denn da die Geschenke gegeben?“ Und das war wohl der Moment in dem ich sagen musste, was ich schon eine ganze Zeit lang sagen wollte und ich sagte etwas zu genervt und ein klitzekleines bisschen zu laut: „Kinder, wisst ihr, als mir meine Milchzähne herausgefallen sind, habe ich nichts bekommen.“ „WAS?!“ „Ja, genau. Nichts. Die Zahnfee gibt es nämlich nicht! Das Geschenk, dass es im Tausch gegen den kleinen Zahn gibt, ist der nächste große Zahn. So ist das. Es. gibt. keine. Zahnfee. Wenn hier jemand irgendwem Geld oder Gold unters Kopfkissen steckt, dann sind das die Eltern. Eure Zähne fallen aus, ob ihr wollt oder nicht. Und ich bin sehr stolz, dass ihr zwei so tapfer seid. Aber es gibt KEINE Zahnfee – und Lou, wo wir gerade dabei sind: Es gibt auch keine Schnullerfee. Aber wenn du so tapfer bist und irgendwann deinen Schnuller abgeben kannst, dann machen wir uns einen schönen Nachmittag. Und du darfst aussuchen wohin wir gehen.“ Man das war eine Erleichterung. Die Kinder waren nicht sonderlich erstaunt. Ich glaube fast, sie hatten so etwas schon vermutet, die kleinen blitzgescheiten Dinger.

Ich finde diese Tendenz echt problematisch. Nicht nur, was die Fantasiegestalten Schnuller- und Zahnfee angeht. (Osterhase, Christkind und Weihnachtsmann sind da was ganz anderes. Die liegen in unseren Traditionen und in unserer Kultur verankert, klar ne?) Sondern auch diese überproportionale Loben von Handlungen.

Kinder werden in manchen Situationen gelobt und belohnt für nichts und wieder nichts. Fürs Spülmaschineeinräumen, fürs Nichtverwenden von Schimpfwörtern, Zimmeraufräumen, Rasenmäher, Müll rausbringen,  etc.

Manch ein Kind kritzelt in der Schule unerkennbare Bäumchen lustlos auf ein Blatt Papier, einfarbig, und möchte dann Abends von der Mama ein anerkennendes Lob.

Äh, Moment mal, das sieht man doch, dass du dir da keine Mühe gegeben hast! (Ich kenne mich mit solchen „Kunstwerken“ aus.) Und man sollte meinen, dass es auch unsere Aufgabe als Eltern ist, nicht uneingeschränkt alles absolut GROßARTIG (dazu gab es schon einen weiteren Exkurs von mir) zu finden, sondern eben auch beizubringen, ob etwas wirklich eine tolle Leistung ist, die wahrhaftiges und ernstes Lob verdient, oder ob man den Willen erkennt, aber auch die Faulheit. Und was Haushaltsaufgaben angeht: Ja natürlich werden die Kinder dafür gelobt. Aber es ist eben auch unser Alltag, in dem jeder etwas mithilft. Und nur, wenn sie bestimmte Aufgaben auch übernehmen, werden sie die Wertigkeit der Aufgaben auch erkennen. Es genügt ein Danke und ein Kuss. Diese Dinge sind selbstverständlich, oder sollten es meiner Meinung nach sein.

Es wird für sie nämlich ganz hart, wenn sie denken, dass die Welt so läuft und es ihnen dann jemand anderes beibringt.

Wir lieben sie doch. Das sind wir ihnen schuldig.

Also wenn eure Kinder dann bald erzählen, dass jemand erzählt hätte es gäbe keine Schnullerfee und auch keine Zahnfee. Das war dann wohl ich.

Wie handhabt ihr das? Und wenn ihr die Geschichten am Leben erhaltet, was denkt ihr darüber und warum? Es interessiert mich wirklich sehr.

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