Freund oder Feind? – Das Telefon und ich – Teil I

Meine lieben Leser, ihr lest richtig, dieses ist nur der erste Teil meiner ersten REIHE von Blogbeiträgen um das Thema „Das Telefon in der Familie“. Das Thema ist so ein breit gefächertes, dass es noch mindestens einen, vermutlich aber eher zwei weitere Teile geben wird, in denen zum Beispiel die Auswirkungen auf das Sprechverhalten, die sprachliche Entwicklung und das familiäre Miteinander der Schwerpunkt sein wird. Und ihr dürft gespannt sein: Ich werde sicherlich nicht auf die Mamas schimpfen, die auf dem Spielplatz mal eben gucken was die Freunde so auf Instagram posten…..denn wer ohne Sünde ist und so….ne? Also dann lasst mich mal beginnen:

Teil I – Das Telefon und ich – Ein Drama in einem einzigen Akt.

Als ich 22 Jahre alt war (also vor ein paar ganz wenigen Jahren) bin ich ohne Handy und ohne elektronische Gerätschaften ein halbes Jahr nach Südamerika gereist. Es gab damals schon Handys. Nicht so weit verbreitet allerdings und es gab auch Digitalkameras. Ein paar meiner Reisebekanntschaften hatten welche dabei und mussten immer tierisch drauf aufpassen, dass niemand sie klaute. Sie waren heiß begehrt. Mein teuerstes Gerät war wohl ein Minidisc Player, den ich nach ein paar Wochen völlig entnervt nach hause schickte (zusammen mit meinen vollgeknipsten Filmen übrigens), denn er und die ganzen Minidiscs wogen einfach viel zu viel. Ein Handy mitzunehmen wäre Wahnsinn gewesen. Es gab ohnehin nirgends Empfang und vermutlich hätten die Roaminggebühren damals meine Reise um 2 Monate verkürzt. Das Internet verbreitete sich aber so langsam auch in den kleinsten bolivianischen Dörfchen. Das war für mich überraschend und ist es immer noch, aber so war es. Man konnte also immerhin Emails nach hause schicken und in Kontakt treten. Und ab und an konnte man – wenn man Glück hatte, die Mama im ICQ-Chat oder MSN-Messenger treffen und chatten.

Wenn ich jetzt das Haus ohne Handy verlasse, das mache ich gelegentlich absichtlich (aber nur, wenn die Kinder sicher beim Papa oder bei der Oma sind – ich bin ja nicht total verrückt!?!?!?!) dann beschleicht mich immer ein mulmiges Gefühl. Immer.

Ich schlechte Mutter bin nicht erreichbar!

Das ist der Grund warum ich es mache. Ich mag es nicht, dass ich das Gefühl habe, etwas ganz furchtbar Dringendes verpassen zu können, wenn ich nicht erreichbar bin. Es gab ja auch schon den ein oder anderen Notfall, mein Sohn hätte fast mal sein kleines Fingerchen verloren, meine Tochter hat einen Schneidezahn weniger, Gehirnerschütterungen, Vergiftungen, ihr kennt das. Sowas passiert ja auch mal, wenn man dabei ist, aber noch kreislaufanregender ist es, wenn man eben nicht dabei ist.

Sobald man den Namen der Schule, des Kindergartens, des Horts, oder einfach derjenigen Person, die die Kinder gerade betreut auf dem Display erkennt, hält uns nichts mehr auf! RANGEHEN, SOFORT!

Mich interessiert echt, wie ein MRT von unserer Gehirnaktivität aussieht in solch einer Situation. Absolute Alarmbereitschaft. Hyperaktivität. Armageddon!

Aber die Kinder waren natürlich nicht allein, sie sind viel zu klein noch. Sie sind nie alleine. Es waren und sind immer Betreuer da, die sich gekümmert haben und kümmern und es ist natürlich ihre Pflicht mich zu informieren und natürlich will ich auch da sein, aber man fragt sich schon……

Wie zur Hölle lief das, als ich noch ein Kind war?!

Meine Mutter hat ganz sicher nicht zuhause vor dem Festnetz gesessen und gewartet bis oder ob jemand anruft, weil sich die Kinder verletzt haben könnten oder noch schlimmer: Ihre Badehose vergessen haben könnten. Nein, als ich ein Kind war, waren Dinge eben so. Da rief niemand: „WO WARST DU DENN ICH HABE DICH 3x ANGERUFEN UND KEINER GING RAN?!“ Da konnte man es manchmal einfach nicht ändern. Ich bin kein Fan von „früher war alles besser“. Das finde ich auch gar nicht. Aber früher war vieles anders und das ist der Gang der Dinge. Manche Dinge sind einfach anders. Und jetzt ist jetzt.

Ich bin IMMER der Ansprechpartner, wenn es um die Kinder geht. 24 Stunden am Tag. Das kann einen schon mal an die eigenen Grenzen bringen und gerade deswegen entscheide ich mich sehr selten, aber bewusst dafür, mein Telefon nicht mitzunehmen. Ebenso entscheide ich mich auch oft dafür, mein Telefon nicht zu verwenden. Dann nämlich, wenn ich keine Zeit habe zu telefonieren. Dass es solche Momente täglich gibt, werdet ihr alle wissen. Alle Eltern wissen es wie es ist, wenn man vollbepackt mit Tüten und Gemälden und Steinchen und gesammelten Tannenzapfen um 16 Uhr vom Kindergarten kommt und an einer vollbefahrenen Straße zum Auto läuft oder auf dem Heimweg ist und das Telefon klingelt.

Nein, ich bin nicht erreichbar dann. Theoretisch schon, aber nicht praktisch.

Selbst wenn ich ran ginge, hätte der Gesprächspartner keine Freude an unserem Gespräch, „Achtung, Schatz, nicht so nah an den Straßenrand…nein ich kann das nicht auch noch halten…..stopp! GUCKEN! Sag mal, du wirst jetzt bald 5, du musst doch gucken!….da! Da vorne…nein nicht das Auto, das nächste…ja genau“ ….das will doch auch niemand hören! Ich will es ja nicht mal sagen…..

Auch um 17.30 Uhr ist es übrigens eine ziemlich verrückte Idee mich erreichen zu wollen, da fängt doch die Bettzeit an! Sowas weiß man doch….tststs…. Ebenso um 18.30 Uhr da lesen wir – manchmal streiten wir da auch noch aber da könnte ich dann auch nicht!  Und ab 19.30/19.45 Uhr habe ich oft ein Zeitfenster von so ca. 15 min. Da räume ich die Spuren des Tages weg, mache Schulbrote und Wäsche. Dann muss ich aber auch Schluss machen, denn sonst bin ich zu müde für mein Highlight des Tages.

Dann kommen MEINE 30min des Tages. Ich will dann Sport machen, zuhause und in Ruhe und ich will nicht ‚gemamat‘ werden in dieser Zeit. Egal von wem. Danach mache ich mir ein Abendbrot und dusche (ja ohne Kinderhändchen unter dem Duschvorhang, wenn alles nach Plan läuft). Dann gucke ich oft noch ein Serie und ….naja

…ich gebe zu, dass ich, seit es Netflix gibt die Notwendigkeit eines Telefonats immer weniger sehe. 

Aber auch in der Nacht bin ich wieder im Dienst und streichle Bäuchlein und tröste Träumchen und halte Füßchen und hole Wasser und suche verloren gegangene Kuscheltiere aus den hintersten Ecken. Jetzt wäre übrigens ein super Zeitpunkt mich anzurufen, wenn es mal dringend ist. Denn zwischen 3 und 5 Uhr morgens kann ich oft ohnehin nicht mehr einschlafen – und ich weiß, dass ich auch damit nicht alleine bin. Wie wär’s denn dann?!

Wie macht ihr das mit euren Telefonen?!

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  • nächster Teil I: Telefone, wir und unsere Babys und Kinder bis 3 Jahre (voraussichtlich 18.04.2017)
  • Teil II: Telefone, Geschwisterkinder und Kinder bis 7 Jahre (voraussichtlich 25.04.2017)

 

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