Schnuller ist auch ein Sch-Wort!

Lange Zeit dachte ich mit diesem Wort, also dem Sch-Wort, sei das Wort SCHEISSE gemeint. Ein Wort das man nicht vollständig aussprechen soll. Gehört sich nicht und ist anstößig. Seit ich Kinder habe, ist das SCH-Wort für mich: SCHLAF. Ich will es nicht aussprechen und auch nicht darüber reden.

Für viele Eltern ist es aber das Wort SCHNULLER. In Kindergärten und auf Spielplätzen spielt plötzlich die Fragen „Hat dein Kind noch einen Schnuller?“ eine wichtigere Rolle, als die Frage nach den Nächten, der Verdauung, der Windelmarke und den Dinkelstangen.

„WAS? Dein Kind hat mit 3 Jahren noch einen Schnuller?“

„Um Gottes Willen, so lernen die ja niemals sprechen!“

„Na dann freu dich mal auf die Zahnarztrechnung!“

oder meine Liebslingsfeststellung

„Also bis sie in die Schule kommt, muss der aber weg sein!“

Ja, so haben wir das vor. Also ICH habe es so vor. Nr. 2 hat gar nichts vor. Zumindest nichts ohne ihren Schnuller. Sie liebt ihn heiß und innig – und ich ihn auch. Ich liebe ihn auch, weil Nr. 1 ohne Schnuller lebt. Seit seiner Geburt und ich kann nur sagen, dass ich mir mehr als einmal, ja sogar mehr als 13 000 mal einen Schnuller für ihn gewünscht habe.

Ich sage es lieber gleich vorweg. Auch wenn ich es gerne wäre, ich bin nicht allwissend, allerdings so gut wie, und dies ist eine unvollständige aber gewissenhafte Beantwortung der immer wieder an mich gestellten Fragen.

Mit diesem Thema verhält es sich ähnlich, wie mit den anderen SCH…-Wörter. Es gibt viele Meinungen, ob man überhaupt damit anfangen soll oder  lieber gleich verbieten oder gar nicht anbieten. Das will ich hier echt nicht diskutieren. Macht mal wie ihr wollt. Aber wenn ihr wollt, dann ist folgendes Wissen ganz nützlich:

Meine Kinder haben sprechen gelernt. Eure werden das auch tun. Ob mit oder ohne Schnuller ist ganz egal. Es gilt allerdings ein paar Dinge zu beachten und zu wissen.

Ein Schnuller führt unter anderem dazu, dass:

  • der Mund des Kindes voll ist
  • eine ständige Saugbewegung stattfindet
  • die Zahnstellung beeinflusst wird (und mit ihr die Basis des Sprechenlernens)
  • Gaumen- und Kieferwachstum beeinflusst wird (ebenfalls Basis des Sprechenlernens)
  • die Zungenmuskulatur wenig beansprucht wird (ebenfalls Basis des Sprechenlernens)

Alle diese Eigenschaften beeinflussen und beeinträchtigen den Mund und die Artikulationswerkzeuge (also alles was man so zum Sprechen braucht, Lippen, Zunge, Zähne) unter Umständen enorm. Was also tun? Im Folgenden sind Altersangaben erwähnt. Bitte nehmt dies nur als Richtlinie. Jedes Kind ist anders und hat sehr unterschiedliche Bedürfnisse. Es sind wirklich nur die gängigen Altersrichtlinien.

0-6 Monate: Nichts. Meistens sind die Kinder in dem Alter noch nicht ausgeprägt schnullersüchtig. Wenn doch: Drinnen lassen! Es ist in dieser Zeit wirklich egal und es ist wichtig und hat absolute Priorität, dass man selbst gut schläft und das Kind auch. Die ersten 6 Monate kann man einfach gar nichts verkehrt machen. Ein ruhiges zufriedenes Baby ist – wie wir alle wissen – goldwert.

6-12 Monate: Immer mal wieder den Schnuller heraus nehmen und Lippenspiele und Zungenspiele machen. Aktiv ein paar Phasen (wenige Minuten lang) am Tag einbauen, an denen das Baby keinen Schnuller im Mund hat. Zum Beispiel ist es sinnvoll diese Phasen tagsüber einzuplanen. Zu Zeiten an denen das Kind nicht müde ist. Dann wird gesungen und gelesen und die Kinder ahmen bereits die ersten Geräusche nach. Bei Kindern, die problemlos längere Zeit ohne Schnuller können, einfach dabei bleiben.

Bitte bloß nicht auf die Idee kommen in diesem sehr, sehr frühen Alter schon mit „Nimm mal deinen Schnuller raus, ich verstehe ja gar nichts!“ zu kommen. Zeigt euren Kindern eure eigenen Zungen. Lasst sie aus Strohhalmen trinken, aus Bechern, von Gabeln essen, von Löffeln…..alles was den Mund auf unterschiedliche Weisen formt und die Mundwerkzeuge unterschiedlich beansprucht ist gut. Singen, brummen, ploppen….mit den Lippen den Bauchnabel aufpusten und aufpusten lassen…..es gibt keine Grenzen. Und Immer schön loben. Klar!

Allerdings: Wenn das Kind nach seinem Schnuller verlangt, dann soll es ihn auch bekommen. Es sind Babys, die dürfen das!

ab ca. 12-14 Monate: Jetzt sollten wir wirklich darauf achten, dass die Zunge in Schwung kommt, wenn sie das noch nicht ist. Die Lippen müssen beweglich sein, die Zunge nicht schwer und ungebraucht, sondern voller Tatendrang. Lecken, schlecken, bewegen, küssen, tasten…..und singen, singen, singen.

Jetzt kommen immer mehr Zähne. Da werden die Kleinen wie wild auf dem Schnuller herumbeißen. Wunderbar! Sei froh, dass es nicht deine Brustwarze ist.

ab 24 Monaten: Die Zähne sind wohl alle da. Zumindest die vorderen und man sieht langsam aber sicher den Schnullermund bzw. das Schnullergebiss. Die Schneidezähne verlaufen in einem schönen Bogen um den Schnuller herum. Süß sieht das aus. Aber habt ihr mal versucht mit einem Korken zwischen den Zähnen ein Stück Fleisch abzubeißen? Klar, geht nicht. Und so geht es den Kindern auch. Teilweise können Problem auftreten beim Kauen. Das ist unter Umständen aber nicht weiter wild, wenn uns als Eltern das bewusst ist. Also, beobachtet eure Kinder. Können sie gut kauen? Fällt das Essen oft aus dem Mund? Schiebt die Zunge das Essen heraus oder liegt es an dem unvollständigen Verschluss der Schneidezähne? Ist das der Fall, dann müssen andere Strategien her.

Zeigt euren Kindern, wie man mit den Backenzähnen kaut. Zeigt ihnen, dass sie die Lippen verschließen beim Kauen, damit das Zeug nicht durch die offenen Zähnchen rutscht.

Das sind Dinge, die man eigentlich selten beibringen muss. Schnullerkindern sollte man fairerweise diese Aufmerksamkeit entgegen bringen. Kleiner Aufwand große Wirkung.

Also nochmal: Wenn die Zunge unbeweglich und massiv im Mundraum liegt, dann schiebt sie das Essen das vorne und die Kleinen müssen sich arg anstrengen.

Das ist aber wirklich nicht zwingend ein Grund für Logopädie oder Schnullerentwöhnung. Das ist ein Fall für Mama, Papa und die Backenzähne.

Der Schnullerbogen verzieht sich übrigens ganz von alleine, wenn der Schnuller nicht mehr benötigt wird. Es dauert nur wenige Wochen und die Zähne schieben sich weiter nach unten. Die Milchzähne sind wie gemacht für die Schandtaten der Kleinen. Dafür gibt es das Milchgebiss.

Wichtig: Wenn es darum geht, dass das Kind den Schnuller abgeben soll, für 1 oder für 10 min, dann muss das für unsere Zwecke freiwillig geschehen. Keine einzige Übung lässt sich durchführen, wenn das Kind nicht freiwillig mitmacht. Den Kindern den Schnuller wegnehmen…..ich würde es nicht tun, alleine aus dem Grund, dass ich keinen Grund dafür sehe.

Kurz und bündig, hier noch die Beantwortung einiger aktueller Fragen, die mich die Tage erreicht haben.

1.) Welche Schnullerform eignet sich am Besten?

Ein geeigneter Schnuller sieht von beiden Seiten gleich aus. Egal wie herum man ihn in den Mund steckt hat er die gleiche Form. Der Steg sollte recht schmal und dünn sein, damit die Schneidezähne möglichst weit schließen können.

2.) Muss man die Schnullergröße wechseln? Und wenn ja warum?

Ja, ja muss man. Es ist wichtig, dass sich der kleine, weiche Babygaumen, an den der Schnuller durch das Saugen gedrückt wird möglichst gut entwickelt. Dazu darf er nicht zu eng sein. Sobald das Kind eine größere Schnullergröße annimmt, würde ich wechseln, damit der Gaumen breiter werden kann und nicht zu eng bleibt.

3.) Muss ich den Schnuller abgewöhnen? Wann und warum?

Es gibt wenig Gründe einen Schnuller abgewöhnen zu müssen. Ein paar habe ich schon aufgegriffen. Wenn das Sprechenlernen allzu langsam verläuft oder gar verzögert ist, oder die Nahrungsaufnahme beeinträchtigt ist. Eigentlich sind das allerdings Gründe, denen man mit Schnuller-Einschränkung, Aufmerksamkeit und Eigeninitiative zuvor kommen kann. Wenn das nicht hilft: Dann muss der Schnuller leider wirklich weg.

Allerdings gibt es einen gravierenden Grund: Wenn der Zahnwechsel stattfindet. Wenn also die Milchzähne ausfallen, dann muss, dann MUSS wirklich der Schnuller weg. Denn was das Milchgebiss verzeiht, verzeihen die zweiten Zähne nicht. Es kann sogar sein, dass sie gar nicht ganz nach unten rutschen, weil sie aufgehalten werden.

Zahnwechsel=Schnullerentwöhnung.

4.) Mein Kind will ständig einen Schnuller, was tun?

Es gibt Phasen, da brauchen Kinder ständig ihren Schnuller. Das ist kein Problem an sich. Unter 3 ohnehin nicht, ab 3 besprecht ihr am Besten im Kindergarten (dort sollten sie angehalten werden den Schnuller in ein Töpfchen oder Täschchen zu legen), dass es Ausnahmen geben kann (zum Beispiel kurz nach dem Mittagessen oder bei enormer Müdigkeit. Danach kommt der Schnuller aber wieder in die dafür vorgesehene Tasche o.ä.). Achte einfach darauf, dass die Phase ein Ende nimmt. In der Regel handelt es sich so um ca. 8-10 Tage.

5.) Verändert der Schnuller das Sprechenlernen?

Ja klar, das tut er. Zum Einen, ist das Verhalten der Artikulationswerkzeuge natürlich ganz anders ob der Mund nun voll ist oder leer. Es wirkt sich aber nicht nur auf die Bewegung der Zunge aus. Auch das Schild des Schnullers bewirkt, dass die Lippen sich nicht spitzen können. Für einige Laute ist das aber maßgeblich.

Was man tun kann, ist wirklich darauf achten, dass man in Sprechlern-Situationen, also am Tisch, beim Vorlesen (nicht beim Zubettgehen, das ist natürlich Schnuller-Zeit), in der Badewanne, beim Fahrradfahren, Bereiche schafft, in denen der Schnuller nicht im Mund steckt. Immer freiwillig natürlich.

Eine veränderte Sprechlernsituation, bedeutet nicht, dass die Kinder falsch oder ungenau artikulieren müssen. Es bedeutet aber für uns Eltern, dass wir genau hinhören, genau hinsehen und mit den Kindern üben, damit sich alle Mundwerkzeuge stärken und ausbilden können. Sie müssen beweglich sein. Das ist das A und O.

6.) Gibt es Tricks wie man das Schnullern angewöhnt?

Ich habe diese Frage wirklich gestellt bekommen. Denn es gibt Eltern, deren Babys so unruhig sind, dass sie sich eine Möglichkeit wünschen, dass die Kinder sich selbstständig bzw. mit Hilfe des Schnullers beruhigen.

Es gibt da die bekannten Tipps, Muttermilch auf den Schnuller, drauf klopfen, immer anbieten etc. Ich denke, mit meiner spärlichen Erfahrung, was Babys angeht….die kleinen Dinger wissen sehr gut, was sie in ihren Mund lassen möchten und was nicht. Meistens gibt es im Laufe des Lebens dann eine Erklärung. Vielleicht kann es nicht gut durch die Nase atmen, oder das Mündchen ist zu eng, oder oder oder. Wenn ein Kind keinen Schnuller möchte, dann möchte es keinen, meistens wissen sie es am Besten. Das kann manchmal ärgerlich sein, hat natürlich den Vorteil, dass man den Schnuller nicht abgewöhnen muss. Aber wie man ja weiß, muss man dafür etwas anderes abgewöhnen. Sei es der Daumen, die Brust oder sonst was. Leider kann ich dabei nicht helfen. Solltet ihr aber noch Ideen haben, gebe ich das gerne weiter.

Ich halte es hier wie mit den anderen Sch…-Wörtern. Man kann immer gut Tipps geben, wenn man es leicht hat.

Diejenigen, die wissen, dass es harte Zeiten sind und werden (ich spreche vom Schlafen und Schnullerentwöhnen) halten sich zurück. Innerlich mitleidig, aber in vollkommener Solidarität.

Für konkretere Tipps und Fragen hinterlasst einfach eure Kommentare.

Schreib einen Kommentar

BRIGITTE MOM BLOGS
footerfacebookicon twitter instagram bloglovin
Instaknacker
Blog via E-Mail abonnieren

Alle neuen Kirschkerne via Email!

September 2017
M D M D F S S
« Jun    
 123
45678910
11121314151617
18192021222324
252627282930