Richtig mit den Kindern sprechen

Inspiriert durch den sehr sanften und liebevoll geschriebenen Blogpost von Susanne von „Geborgen Wachsen“ und meinem gestrigen Erlebnis mit meiner Tochter, ist dieser Text hier entstanden.

Meine Tochter (3) saß gestern am Abendbrot-Tisch, zeigte mit dem Finger auf mich, machte ein undefiniertes Gesicht und sagte:

 

„Und jetzt geh‘ und räum‘ dein Zimmer auf!“

Ich musste so lachen. Meine Freundin, die mit ihren Kindern zu Besuch war auch. Die Tochter hatte aber keine Ahnung, was damit gemeint war. Und da ereilten mich gleich diverse Fragen:

1.) Was davon versteht sie nicht?
2.) Kann sie nicht aufräumen?
3.) Versteht sie den Befehlston nicht?
4.) Warum weiß sie nicht was das heißt – es ist doch echt nicht so schwierig zu verstehen?

Die Antworten auf die oben gestellten Fragen sind: Ich rede einfach so nicht mit meinen Kindern. Oder besser gesagt: Es ist nicht die Art, in der ich mit meinen Kindern reden will. Ganz im ernst…..es könnte mir schon mal passieren. Aber es ist nicht die Art und Weise von der ich überzeugt bin. Deswegen können sie mit so einem Satz nichts anfangen. Dass sie ihn aber ausprobieren um zu schauen wie die Reaktion darauf aussieht, finde ich klasse. An Tochters undefiniertem Gesicht ließ sich so gut erkennen, dass sie keine Idee hatte, wie das alles gemeint war. Natürlich kennt sie jedes einzelne Wort. Aber wenn man Wörter aneinander reiht kommt noch lange keine sinnvolle Äußerung zustande.

Die Kommunikation, nicht nur mit Kindern, beinhaltet ganz viele unterschiedliche Aspekte. Susanne hat ein paar davon bereits sehr schön und sanft zusammen gefasst. Es ist natürlich bekannt, dass man mit Kindern bestenfalls in liebevoller Sprache umgeht. Auch, dass man Kindern, die ja erst im Begriff sind, das Sprechen und den Gebrauch von Sprache und Sprechen zu erlernen, mit möglichst eindeutiger Wortwahl durch den Alltag geleitet. Das wird hier sehr schön gezeigt. Es geht hierbei aber um noch einiges mehr.
Das Gesagte setzt sich immer auch zusammen aus den Dingen, die sich nicht in Worten verschriftlichen lassen. Die Redensart „Der Ton macht die Musik.“ ist bekannt. Es ist also auch abhängig davon WIE etwas gesagt wird. Ob man nun freundlich sagt „Das hast du ja toll gemacht.“ oder den exakten Satz in einem sarkastischen Unterton formuliert, macht einen ungemeinen Unterschied. Für die Kinder allerdings erstmal nicht. Denn sie können das seltsame Gefühl, das sie ereilte, als gesprochen wurde gar nicht zuordnen. Zumindest nicht zu Beginn des Sprechlernprozesses. Ab Schulalter könnte das schon funktionieren und natürlich ist das auch abhängig von der Art und Weise wie zuhause gesprochen wird. Wenn das Kind dort viel mit Ironie in Verbindung kommt, wird es diesen Unterton eher verstehen, als in einem Zuhause, in dem sehr viel Wert auf den „korrekten“ Ton gelegt wird. Dabei gibt es kein besser oder schlechter. Es sind einfach zwei unterschiedliche Arten des heimischen Familientons.
Weiterhin spielt eine Rolle, ob man sich körperlich dem Kind zuwendet, ob man in Ruhe spricht und vor allem auch ob man sich selbst, während man spricht, mit dem Gesprochenen beschäftigt.
Wenn man auf dem Handy eine Nachricht tippt und dabei sagt: „Und jetzt geh und räum dein Zimmer auf.“ dann wird vermutlich erst einmal gar nichts passieren. Wenn der Erwachsene der Thematik keine Aufmerksamkeit schenkt, warum sollte es dann das Kind tun?

Es gibt eine sehr simple Regel in der Kommunikation, die ich in meinen wissenschaftlichen Untersuchungen beweisen konnte:

Wenn sich der Sprecher Mühe gibt, von den Zuhörern verstanden zu werden, dann erhöht sich die Bereitschaft der Zuhörer, auch tatsächlich zuzuhören.

Das klingt so profan. Ist es auch, wenn wir uns daran hielten. Tun wir aber nicht immer…..geht auch nicht immer. Wir sind ja Menschen. Aber es kann uns ein Anhaltspunkt sein. Sowohl im Privaten als auch im Beruflichen. Es hat in meinen Augen auch etwas mit gegenseitigem Respekt zu tun. Ich als Sprecher gebe mir Mühe für euch, und ihr gebt euch Mühe für mich. Das ist eine grundsätzliche Einstellung im sozialen Miteinander.

Als Beispiel:
Ich sitze auf einem Spielplatz. Neben mir ein Papa mit einem etwa 6 jährigen Sohn. Der Sohn schnappt sich ein Rad und fährt los. Der Papa des Kindes sitzt zurückgelehnt, beide Arme zur Seite gestreckt und auf die Rücklehne gelegt, auf der Parkbank und ruft: „Nicht wegfahren! Nur hier auf dem Spielplatz!“ der Sohn blickt zum Vater, guckt kurz, taxiert die Situation, dreht sich um und fährt weg. Nach einer Runde UM den Spielplatz, (nicht IM Spielplatz) wird der Papa unruhiger und ruft lauter: „Hey! Hörst du schlecht, ich habe gesagt, du sollst bitte hier bleiben!“.
Also fährt der Sohn weiter.
Bei der nächsten Runde erhebt sich der Vater und ohne etwas zu sagen, hält der Sohn an und steigt vom Rad.

Der Sohn hörte natürlich nicht schlecht. Wir haben ja gesehen, dass er sich sogar umgedreht und gut überlegt hat was er am Besten tun könnte. Wäre der Vater aber gleich aufgestanden und hätte somit den direkten Kontakt zur Situation und seinem Sohn hergestellt, wäre der Junge vermutlich im Rahmen des Spielplatzes geblieben.
Es war nicht einmal eine unfreundliche Situation. Weder Vater noch Kind waren gereizt. Ich würde es eher als eine misslungene Kommunikation bezeichnen. Und das ist irgendwie eine Zeitverschwendung, oder nicht?

Wenn es jetzt um die Kommunikation mit Babys geht, dann denke ich ist Susannes Ansatz sehr ambitioniert und auch sehr einfühlsam. Ich würde nur hinzufügen wollen, dass auch die Kraft der nonverbalen Kommunikation hier eine sehr große Rolle spielt und spielen kann. Zärtliche ruhige Bewegungen und gesungene Liebkosungen….all das schafft eine wunderbare Kommunikationsatmosphäre für Säuglinge und kleine Babys.

Eine Sache, die mir immer wieder auffällt, ist dass Kinder von Erwachsenen verbal häufig auf den Arm genommen werden. Dass das für die sprachliche Entwicklung durchaus von Vorteil sein kann, sehe ich in Grenzen ähnlich. Aber auch Kinder haben ein Recht auf Ruhe. Ich denke aber dass dieses Thema Potenzial hat ein ganzer, alleiniger Text zu werden 😉

Ach ja: Woher kam denn jetzt dieser Satz von meiner Tochter?

Heute früh hörten wir Kassetten, wie immer wenn wir Zähneputzen. Und da sagte doch der strenge Bernhard Blocksberg (der einzige, der in Bibis Familie Ordnung nicht herbei hexen kann) zu seiner Tochter eben diesen Satz! Aha! Ha! und nochmals AAAAHAAAAA!!!

Also: Wie ist es bei euch? Wie seht ihr das?

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