Sprechunterstüzung leisten

AlleHaendeFür Sprechlerner brauchen wir Geduld und Aufmerksamkeit.

Sie hingegen brauchen minimale Unterstützung. Die selbstverständlichste aller Grundregeln, ist auch diejenige, auf die Erwachsene viel zu häufig noch bestehen müssen.

AUSREDEN LASSEN

Ein sicheres Zeichen dafür, dass man am Gesagten eines Sprechers nicht interessiert ist, ist, wenn man jemanden unterbricht. Es bedeutet, dass man nicht zuhört um zu verstehen, sondern allenfalls um zu antworten. Eine gute und sinnvolle Kommunikation ist so nicht möglich.

Für Kinder, also Sprechlerner, sind die Effekte einer Unterbrechung aber natürlich viel grundlegender. Die gravierendste Form der Unterbrechung ist diejenige, bei der der (häufig) erwachsene Sprecher, den Satz des Kindes vervollständigt. Dies ist ein wahnsinniger Eingriff in die Entwicklung des Kindes und wirklich nicht zu unterschätzen. Nicht nur, dass sich die Erwachsen anmaßen zu wissen, was das Kind sagen will. Es wird in einem wichtigen Lernprozess unterbrochen, verliert den Faden und damit verliert es auch die Konzentration. Zu dem muss es dem Erwachsenen zuhören und versucht zu verstehen, was dieser sagt. Anschließend folgt der Abgleich zwischen dem was der Erwachsene sagt und dem was das Kind ursprünglich hat sagen wollen. Das System des Kindes ist vollkommen desorientiert und der Prozess muss von vorne beginnen. Dies ist nicht nur demotivierend sondern auch furchtbar anstrengend für das Kind.

Verursacht werden solche Situationen durch:
Zeitmangel, Unaufmerksamkeit, mangelnde Zukenntnisnahme der Situation, mangelnde Wertschätzung, oder einfach unbewusst.

Unterbrechungen führen zu:

Stottern, langsamen Spracherwerb, Sprechunlust, Kopieren des Verhaltens (Man darf sich nicht wundern, wenn das eigene Kind mich unterbricht, wenn ich selbst es nicht ausreden lasse.), Wutausbrüche, usw.

Man kann davon ausgehen dass man durch ein anderes Verhalten deutlich weniger negative Nebeneffekte hat. Aber was soll man tun, wenn alle Kinder durcheinander quaken oder die Kleinsten gerade dann anfangen einen komplizierten Satz zu bauen, wenn man schon längst die Wohnung hätte verlassen müssen? Wir haben es nunmal häufig eilig und die Kleinen scheinen zu riechen, wie sie uns verlangsamen können.

Mögliche Lösungen

1.) Aussprechen lassen

Suche unbedingt den Kontakt zu deinem Kind. Gehe in die Knie und schaue deinem Kind in die Augen. Halte auf jeden Fall inne und höre einen Moment auf, mit dem was gerade zu tun ist. Nicht ablenken! Je weniger Ablenkung es für das Kind gibt desto besser kann es sich konzentrieren. In einer Kindergartensituation könnte man das Kind sanft an den Schultern zu sich drehen, so dass die anderen Kinder nicht mehr sichtbar sind.  Achte darauf, dass man nicht mit dem eigenen Mund Sprechbewegungen machen. Und jetzt: Zuhören bis das Kind fertig ist.

  • Wenn es stottert, abwarten.
  • Wenn es ein Wort sucht, abwarten.
  • Macht es „ääähm“, abwarten.
  • Wenn es nach einem Wort fragt, dann antworte kurz und knapp.

Mach kein Riesending daraus aber lass das Kind aussprechen.

Wenn es fertig ist, ruhig und angemessen auf die Leistung reagieren. Hat das Kind sehr viel Mühe gehabt und sich sehr angestrengt, dann wird es natürlich gelobt. Nicht zu überschwänglich, aber schon ordentlich.

Man kann den Satz auch noch einmal wiederholen um dem Kind zu bestätigen, dass alles was gesagt wurde auch verstanden wurde. Wichtig ist, dass Sie Fehler, die das Kind gemacht hat nicht wiederholen. Wenn Sie den Satz aussprechen, dann korrigieren Sie den Fehler ohne ihn, durch Betonung o.ä., besonders hervorzuheben. Einfach und ganz simpel:

Wiederhole den korrekt gesprochenen Satz.

Sprechen ist anstrengend und es ist eine Herausforderung, aber die Kinder lernen es sehr gut. Alles was sie dazu brauchen ist Zeit, aktive Zuhörer und Verständnis.

(Auch wenn es einem manchmal so vorkommt, als würde viel Zeit vergehen. Man spart sich und dem Kind vermutlich einen riesigen Wutausbruch – und die kosten bekanntlich auch viel viel Zeit!)

2.) Den Kindern eine Strategie an die Hand geben

Kinder wollen eigentlich immer mit uns sprechen wenn wir beschäftigt sind. Wenn ich einmal Zeit habe dann sitzen sie zufrieden in ihren Zimmerchen oder spielen. Ich bin plötzlich uninteressant (und weiß manchmal gar nicht was ich dann tun soll). Aber wehe das Telefon klingelt, ich treffe einen Bekannten, will Duschen oder zur Toilette. Ganz plötzlich bin ich wieder VIP und der meist gefragte Mensch auf Erden.

Vorschlag:

Ich habe mit meinem Sohn eine Vereinbarung getroffen. Wenn er mir etwas mitteilen will und ich gerade mit jemandem spreche, dann greift er nach meinem Handgelenk. Ich lege dann meine Hand auf seine, was für ihn bedeutet „ich habe dich gehört, du möchtest mit mir reden. Einen Moment bitte.“

Ich möchte, dass er wartet bis ich fertig sind und ihn auffordere „So, jetzt bist du dran.“ Dadurch, dass er einen Berührungspunkt mit mir hat, fällt es ihm manchmal auch leichter, die Konzentration zu halten und das wichtige Thema nicht zu vergessen.

Diese Übung funktioniert nicht von Jetzt auf Gleich. Auch das muss geübt werden. Immer wieder. Und immer wieder erkläre ich die Übung. Es funktioniert nicht immer, aber wichtig ist, dass er eine Möglichkeit hat, eine Strategie, seinen Bedürfnissen Ausdruck zu verleihen.

Eine Strategie zur Kommunikation zu finden ist ein guter Weg den Kindern zu zeigen, dass jeder sein eigenes Rederecht hat. Ich selbst auch.

In einer Kindergartensituation kann man das auch schön spielerisch üben. Die Kinder sammeln sich in Dreiergruppen zusammen und jeweils zwei unterhalten sich. Das dritte Kind ist der „Unterbrecher.“

Die Idee jedem Kind am Esstisch eine zeitlang die Möglichkeit zum Sprechen zu geben ist keine besonders gute. Auch wenn sie gut gemeint ist. Es funktioniert manchmal, aber im Allgemeinen kann man sagen, dass es eher zu Lampenfieber und Sprechangst führt. Es ist ja auch keine natürliche Sprechsituation. Es ist eine wichtige Erfahrung und Lehre zu wissen, dass es unterschiedliche Formen der Sicherung des Rederechts gibt. Manch sind mehr, manche weniger angebracht.

Es ist nun wirklich nicht so, dass das bei mir immer funktioniert. Ich habe oft das Gefühl, dass die Kinder denken „Hey, die hat doch zwei Ohren, eins für den Bruder und eins für die Schwester!“……aber steter Tropfen höhlt den Stein. Bleiben wir dran an den Regeln, dann werden das richtig gute Sprecher!

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