Sprühsahne zum Frühstück

Kinderessen, Essen für Kinder, ich esse gleich die Kinder!

Wenn ich Artikel zum Thema „Essen mit Kindern“ lese verzweifle ich regelmäßig. Denn auch wenn ich meine, meistens sehr entspannt mit dem Thema umzugehen, so merke ich doch, dass auch ICH gerne mal wieder was anderes essen würde als Fischstäbchen, Reis, Kartoffelpüree (aber nur den aus der Packung, bloß keinen selbstgemachten, eklig, widerlich kotzwürgbrech). Ich denke oft „oohhh….mal sehen, was da für Rezepte im Artikel stehen….da ist doch bestimmt doch was Neues dabei…..ach neee….hab ich schon probiert…..ja neee, das isst Nr.2 nicht….und das ist Nr.1 nicht…..uuuuhhhh ok ach da ist Laktose drin, das geht natürlich auch bei mir nicht…..na gut. Gibts halt Nudeln.“

Wenn es für beide das „Lieblingsessen“ geben soll, bekommt Nr.1 (!! Also der Sechsjährige!) Babybrei mit Obstmus, frischem Obst, Zimt und Nüssen und Nr.2 Buchstabensuppe. Da kann man sich an einer Hand abzählen, dass das meinen Gaumen beides nicht sonderlich erfreut.

Aber lasst mich am Anfang starten:

Ich glaube Essen ist nicht immer ein so „normales“ Thema. Im Fall meines Sohnes habe ich wohl einiges übersehen. Es kam mir nicht in den Sinn, dass es solche Auswirkungen haben könnte……

Nr.1 ist jetzt 6 Jahre alt. Vermutlich würde er heute noch stillen, wenn ich ihn ließe. Aber ich mag nicht. Und das schon verhältnismäßig lange nicht mehr. Als er 18 Monate alt war, wurde ich wieder schwanger und stillte ihn ab. Er war bis dahin kein allzu großer Esser. Brei ging nie. Würstchen immer. Nudeln auch. Er war aber auch immer schon sehr ungeduldig und wollte lieber die Welt entdecken als zu essen. Nahrungsaufnahme war notwendig und wenig mit Genuss verbunden.

Was mir damals nicht so bewusst war, weiß ich heute. Er hatte schon immer riesige Rachenmandeln. Damit fällt das Schlucken natürlich furchtbar schwer. Das Essen war einfach keine besonders schöne Situation für ihn. Und erst als er Sprechen konnte sagte er einmal zu mir „Is mag das nis, das klebt im Hals“ und ich guckte und auf seinen Mandeln lagen die Körnchen. Auch wenn ich das aufgrund meines Jobs vielleicht hätte wissen sollen….es war mir nicht klar.

Lange Rede: Also er wurde mit 3 Jahren an den Ohren operiert und die Polypen entfernt. Danach sagte er „Was ist das Mama?“ Ich wusste nicht gleich was er meinte….aber es war der Regen. Aufgrund des ständigen Paukenergusses hatte er noch nie Regen gehört. Und auch sein Geschmackssinn veränderte sich bereits sehr. Erst mit 5 Jahren wurden dann die Mandeln (teil-) entfernt. Nachträglich weiß ich auch, warum man so lange wartet. Es ist wirklich ein starker Eingriff. Der Arzt sagte vorher zu mir: „ Sie werden sehen, dass dann auch die Gedeihstörungen aufhören.“ „WIE BITTE?!?!? Mein Sohn hat doch keine Gedeihstörungen!“ Glücklicherweise war es ein sehr, sehr netter Arzt. Er lächelte, betrachtet mich und Nr.1 der mit knapp 5 Jahren und 112 cm Körpergröße 12,5 kg auf die Waage brachte (für alle Nicht-Eltern: Es ist nicht so, dass er schwächlich oder kränklich gewesen wäre, aber es hätten auch 7 kg mehr sein können.) und sagte „Ist er denn ein guter Esser?“ Damit war das Gespräch beendet. Nach der OP begann mein Sohn zu essen. Alles und immer! Selbst seine Laktoseintoleranz wurde besser. Der Körper war nicht mehr so beschäftigt mit dem Rest. Nr. 2 hat in einem Jahr 8 kg zugelegt und ist immer noch eher sehnig. Aber nicht mehr so dürr. Er futtert fast alles und probiert und isst als hätte er eine neue Leidenschaft für sich entdeckt. Und er kocht. Am Liebsten alleine.

Etwas anders war das mit Nr.2 und ist es bis heute noch. Sie wollte nicht so arg stillen und stillte sich mit 9 Monaten ab. Danach folgte der erste Döner. Sie aß Spargel, Kartoffeln, Gemüse. Alles. Es war eine herrliche Zeit. Und dann kam, was kommen musste: Die kindliche Entwicklung.

Ihr Repertoire ist jetzt recht eingeschränkt. Reis, Nudeln, Erbsen, Butterkarotten, Pfannkuchen, Pesto, Bolognese und Sprühsahne.

Mein Lieblingszitat von Nr.2 entstand in folgender Situation. Wir waren auf einem kleinen Fest. es gab Unmengen zu essen und ich fragte sie was sie essen möchte. Sie sagte sie würde gerne Sprühsahne essen. Ich erwiderte „Schatz, es gibt nicht nur Sahne, es wird erst noch etwas anderes gegessen.“ Sie überlegte kurz dann kam sie wieder und sagte „Dann nehme ich Sprühsahne mit Gummibärchen.“ 

Sie isst wirklich nichts Frisches. Kein Gemüse. Kein Obst – wobei sie seit Kurzem Mandarinen isst. Nicht alle natürlich, nur wenn sie aus undefinierbaren Gründen nicht „kotzig“ schmecken. Sie leckt auch an Orangen, Limetten und Zitronen. Aber das wars. Sonst nichts. Sie verspricht, dass sie mit 4 Jahren dann auch Äpfel essen wird. Ich freue mich drauf. Aber ich würde da jetzt mal vorsichtigerweise kein Geld drauf verwetten.

Im Kindergarten muss sie essen probieren und dazu blogge ich vielleicht noch einmal gesondert etwas. Macht mich nicht glücklich.

Meine Einstellung zum Essen ist entspannt, wie auch mit den Windeln. Es kommt alles zu seiner Zeit. Bisher lief es auch genau so. Abwarten und Ruhe bewahren. Keines meiner Kinder ist irgendwie unterentwickelt oder kränklich. Selbst die Sahnenase nicht.

ABER: Ich freue mich darauf, wenn ICH! wieder Essen koche, dass ich selbst gerne essen mag. Denn es macht echt keinen Spaß ein etwas aufwändigeres Essen zu kochen, wenn es keiner isst. Also genau genommen ist das Thema für mich hauptsächlich deswegen ein Thema: Ich esse so gerne. Und da ich alleine bin mit den Kindern, isst keiner mit mir! Das nervt mich.

Also liebe Kinder….bitte entwickelt euch ein bisschen weiter, damit wir zusammen kochen und essen können! Ihr dürft dann auch 10 min länger aufbleiben und ich lese noch eine Seite mehr vor.

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