Viel Lärm um Alles!

Im Trotz des Kindes Ruhe bewahren – wer weiß nicht, dass das eine gute Idee wäre!20151109_122457_resized

Animiert durch einen von BrigitteMom geteilten Artikel von urbia.de ist mir etwas im Umgang mit trotzigen Kindern aufgefallen, das ich einfach so nicht unterschreiben kann. Obwohl ich den Artikel und die Tipps im Großen und Ganzen wirklich gut finde, so ist doch die sprachliche Form, die dort empfohlen wird das Gegenteil von einer sinnvollen Alternative.

Ein Kind im Sprechlernprozess zu zu quatschen ist überheblich. Eine gut gemeinte Tat, die total nach hinten los geht. Wie frustrierend für ein kleines Kind in einer Situation, in der es sich verloren fühlt, niemanden zu haben, der ihm auf Augenhöhe begegnet. Auf Augenhöhe bedeutet aus sprecherischer und sprachlicher Sicht:

Mit dem angemessenen Vokabular.

Mit dem angemessenen Satzbau – altersgerecht.

Auf wirklicher Augenhöhe des Kindes.

Kurz und knapp und immer mit der Botschaft, die durch Verhalten nicht durch Worte übermittelt wird: „Ich bin hier und helfe dir – wo ich kann.“

Trotzige Kinder sind in den ersten Jahren ihrer Trotzkarriere so zwischen 1,5 und 3 Jahren alt. Sie sind:

  • Wie ein Tornado.
  • Überfordernd und mitleidserregend zugleich.
  • Bisweilen besorgniserregend und niedlich gleichermaßen.
  • Aber sie sind auch laut, verstörend, beängstigend.

Laut sind sie eigentlich immer. Sie schreien und toben, schlagen, beißen, treten, brüllen und weinen. Sie haben sich nicht mehr unter Kontrolle. Sie wissen nicht was sie wollen, deswegen wird gekämpft. Gegen alles und jeden, weil es keinen Ausweg zu geben scheint. Sie sind schon so groß und noch so klein und alles was von außen auf sie hereinprasselt ist so schwer verständlich und sie haben noch keinerlei Mittel sich zu erklären, was das Leben mit ihnen macht. Da kann es schon einmal passieren, dass ein auf verkehrte Weise zerschnittenes Brot, das Frühstücksritual zur Zerreißprobe für ganze Familien werden lässt. Auch wenn die Milch in der falschen Reihenfolge die Müslischüssel berührt ist das Müsli nicht mehr essbar! Gar nicht! Versteht das doch!

Und da war noch Butter am Messer und ich mag keine Butter! Auch nicht ein kleines bisschen! Und von einem Teller auf dem jemals eine Gurke gelegen hat, wird nicht gegessen – nicht von mir! So viel Selbstbestimmung muss sein. Das muss ja auch mal laut gesagt werden dürfen. WEIL MIR JA NIEMAND ZUHÖRT WENN ICH ES LEISE SAGE!!! NIEEEE!!!

Und in dieser Lautstärke ist es meist unmöglich verbal an sie heranzutreten. Auch nicht mit normaler beruhigender Stimme. Es ist rein physikalisch unmöglich, dass sie uns hören. Deswegen bringt es auch gar nichts in einem akuten Trotzanfall Dinge zu sagen wie:

Ich weiß, dass du den zweiten Muffin auch noch essen möchtest. Aber er ist für deinen Bruder. Willst du mal in den Schrank schauen? Vielleicht entdeckst du etwas Anderes, das du magst.“

Machen wir ruhig einmal den Test. Einer schreit ganz laut und schimpft und schimpft und schimpft und ihr Partner oder ihre Freundin erklärt mit beruhigender Stimme, was im Büro so vorgefallen ist.

Es ist nicht nur die Lautstärke, weswegen man niemand anderen versteht. Man ist auch total konzentriert auf das Schimpfen.

Selbstredend ist es notwendig die Nerven zu behalten. Mit Gereiztheit und Strafen auf ein trotzendes Kind zu reagieren ist absolut sinnlos und vermittelt keinerlei Hilfe. Und natürlich nimmt das Kind wahr, dass vor ihm ein ruhiger Gegenpol sitzt, der auch in rauhen Gewässern die Fassung wahren kann. In diesen Situationen sind wir mal wieder Vorbilder – sehr anstrengend. Aber umso wichtiger ist folgender Tipp:

Quatscht die Kinder nicht noch weiter um ihren Verstand!

Die Kinder sind haltlos einer emotionalen Situation ausgesetzt, daher der Trotz. Ob das für uns nachvollziehbar ist oder nicht – vollkommen egal. Mich hat keines meiner Kinder bisher gefragt, ob es ausflippen darf. Sie tun es einfach.

Was wir tun können ist weitaus mehr als Ruhe zu bewahren. Wir können versuchen die Kinder zu leiten. Dazu gehört unbedingt das sprachliche Verständnis dessen WAS wir ihnen sagen und wie wir es tun.

In diesem Fall:

Oh man, das kann ich verstehen. Komm wir gucken, ob wir etwas Leckeres (im geheimen Küchenschrank) finden!

Kurze knappe Sätze.

Und vor allem: Man nimmt das Kind im wahrsten Sinne des Wortes an die Hand und geht (vorausgesetzt es macht mit) gemeinsam zum Schrank. Will es das nicht kann man es immer noch alleine hinschicken.

Und es kann sein, dass es nicht mitkommt und nicht gucken will. Dann wird es weiter toben.

Ein weiteres Beispiel im Artikel ist:

„Ah, Du bist genervt, weil du die Legosteine nicht auseinander kriegst. Ich mag es aber nicht, wenn du sie dann herumwirfst. Du könntest mich einfach um Hilfe bitten.“

In Trotzsituationen suchen Kinder nach Halt im Leben und in speziellen Situationen (die uns oft wahllos erscheinen). Die passiven Formulierungen kann ein so kleines Kind nicht in alternative Handlungsoptionen ummünzen. Also:

Ich mag es aber nicht, wenn du die Legosteine dann herumwirfst.

 wird zu

Es wird nicht geworfen!

Du könntest mich einfach um Hilfe bitten.

wird zu

Sag „Hilf mir bitte!“

Den vorausgegangenen Satz, in dem man vorgibt zu wissen, warum das Kind wütend wurde….nun ja, ich bin davon kein Fan. Man kann es ja nicht wissen. Legosteine sind spitz. Es könnte ja auch sein, dass sich das Kind verletzt hat und deswegen sauer ist. Oder oder oder – wie wir wissen gibt es eigentlich unzählige Möglichkeiten.

Meine Alternativ-Idee beruht darauf, den Kontakt mit dem Kind herzustellen und von dort in eine normale Sprech- und Verhaltenssituation über zu gehen.

Alles im Rahmen der Fähigkeiten der Kinder!

Es wird nicht geworfen! Sag „Hilf mir bitte!“ – Schau, ich versuche die Steinchen….oh man….das sitzt aber auch ganz schön fest…..hast du so viel Kraft gehabt? Wow, …..

Im Laufe des Artikels werden Elternbeispiele gebracht, die ich sehr schön finde. Bei den Kindern bleiben zum Beispiel. Damit ist nicht zwingend gemeint, dass man sich neben die wütenden Kinder setzt. Aber dass man mit den Ohren und der Aufmerksamkeit beim Kind bleibt. Dass man vielleicht eine Sekunde erhascht, in der sich das Kind Zuwendung wünscht. Diesen Augenblick zuerkennen und sich liebevoll, zuwendend zu verhalten ist eine Königsdisziplin im Trotzalter. Aber auch zu erkennen, wenn das Kind räumliche Distanz sucht und braucht. Wer möchte schon dringend einen – wenn auch kleinen – Menschen liebkosen, der einem vorher eine Bürste ans Schienbein gepfeffert hat?

Aber notwendig ist es manchmal.

Wir müssen uns bemühen, liebevoll mit diesen Situationen umzugehen. Und dabei dürfen wir nicht vergessen, dass es unsere Aufgabe ist, die Kinder zu schützen. Sie müssen nicht wählen müssen aus den vielen, vielen Angeboten des erwachsenen Alltags. Sie haben das Privileg uns Eltern zu haben, die sie noch leiten. Kinder werden gerne geleitet. Sanft und respektvoll.

Das gibt mir ein gutes Gefühl und wenn der furchtbare Sturm vorüber ist, lecken wir gemeinsam unsere Wunden.

Was meint ihr dazu?

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