Was tun, wenn Kinder aggressiv sind

Warum ich von stillen Treppen / Stühlen und Ecken nichts halte

Wenn die kleinen Fäustchen fliegen, aus den Mündchen gruselige Schimpfworte schießen und die Augen mit Wuttränen gefüllt sind, finden kleine Kinder oft nur diesen einen Weg aus ihrer Misere, der uns ordentlich missfällt. Aggressivität.

Es gibt wenige Themen, die uns Eltern so an die Nerven gehen, wie die Aggressionen unserer Kinder. Als wäre unser innigstes Bestreben lauter kleine Sonnenscheinchen großzuziehen. Ich muss zugeben, dass mir das ein sehr lieber Gedanke ist, leider weit entfernt von der Realität. Auch ich finde harte Auseinandersetzungen nicht schön. Und das ist untertrieben. Diese harten Diskussionen, Streits und Wutausbrüche……:

Es nervt mich. Es macht mich sauer. Es macht mich traurig. Ich fühle mich hilflos…

…und manchmal bin ich so wütend, dass ich am Liebsten genauso reagieren würde wie mein 6 oder 3 jähriges Gegenüber. Ich will auch manchmal kratzen, beißen, spucken, schubsen und laute und wüste Beschimpfungen von mir geben. Tja…..erwachsen zu sein ist eine Bürde.

Als mein Sohn zwei war musste ich ihn von den Tageseltern abholen. Diese Verbindung hatte ohnehin nie gut funktioniert. Und als ich ihn, hochschwanger wie ich war, abholte, erklärte mir der Tagesvater, mein Sohn habe das jüngste Mädchen umgeschubst und habe versucht mit dem BobbyCar drüber zu fahren. Ok, das war natürlich nicht so lustig. (Ich gestehe….ich musste lachen….aber klar: Nicht lustig!) Und gefährlich! Und da ich ja selbst gerade drauf und dran war ein Mini-Geschwisterchen zu produzieren, war ich auf seine Erklärung gespannt. Als ich fragte: „Sag mal, das tut doch weh. Was hast du denn gedacht, was du da machst?“ da sagte er  „Ich wollte Brummschanze spielen.“ (Das war das Wort für Sprungschanze.) Also der Hintergedanke war nicht böse, aber die Umsetzung so weitblickend, wie es für dieses Alter nun einmal normal ist. Der Weitblick reicht höchstens bis zur eignen Nasenspitze. Höchstens!

Woher kommen die Aggressionen?

Es gibt natürlich viele unterschiedliche Gründe für Aggressivität. Auch Kinder haben ihre Gründe. Gerade Kinder haben ihre Gründe, denn ihnen fehlt häufig der Überblick über die Gesamtsituation.

Aggressives Verhalten ist eine Form der Kommunikation

Gerade so um das zweite Lebensjahr fangen die Kinder zum ersten Mal an zu schlagen, zu kratzen, zu beißen und zu schubsen. Aus manchen der süßen kleinen Menschlein werden plötzlich Monsterchen. Das ist ungefähr auch die Zeit, in der die Kinder merken, was man alles ausrichten kann, indem man Botschaften sendet. Verbal oder motorisch – das ist erstmal genau die Frage. Die sprachliche Qualifikation wächst überproportional und sie verstehen oft vielmehr als sie sprechen können. Das ist eine frustrierende Situation. Die Kinder haben eine relativ genaue Vorstellung von dem, was sie mitteilen möchten, jedoch können sie es nur schwer ausdrücken. Mit diesem Frust gehen Kinder sehr unterschiedlich um. Manche werden still, manche arbeiten emsig an der Wortbildung und geben nicht auf, bevor sie ausgedrückt haben, was sie sagen möchten. Wieder anderen dauert das einfach zu lange. Sie werden dann „motorisch“ kommunikativ, was wir als aggressiv ansehen. Stimmt ja auch irgendwie.

Konsequenzen sind ein Muss

Aggressives Verhalten  muss natürlich Konsequenzen haben. Und da sind wir beim Thema. Aggressiven Kindern muss man selbstverständlich auch Regeln zeigen. Man muss verbalisieren, also Worte finden, und zeigen, dass das kein annehmbares Verhalten ist. Dass so etwas nicht geht und keinesfalls zu tolerieren ist. Dies sollten wir immer mit liebevollen Elternaugen tun. Wir als Eltern haben die Aufgabe auch durch unser konsequentes Verhalten den Kindern zu zeigen, wo die Grenzen liegen. Immer wieder, damit die Kinder lernen können, dass solche Grenzen nicht überschritten werden dürfen – unnachgiebig aber liebevoll.  „Wer haut und spuckt geht heim“, dann muss man auch heim gehen, wenn man es gesagt hat, man muss aber dann nicht wie wild an seinem Kind herum zerren, auch wenn man selbst frustriert ist. Das ist konsequentes Verhalten

Die Kinder sollten aus den Situationen heraus genommen werden, um die anderen Kinder zu schützen und auch um ihnen selbst zu zeigen, dass hier eine Grenze überschritten wurde. Dabei ist es natürlich sehr wichtig, liebevoll zu bleiben. Denn kaum etwas ist schädlicher als aggressiv auf aggressives Verhalten zu reagieren. Damit meine ich aber nicht, dass man die Kinder zuquatscht. Man muss schon klar und deutlich klar machen: Das hier geht nicht.

Warum die „stille Treppe“ keine Lösung ist

…zumindest nicht in meinen Augen.

Die Motorik und der innere Antrieb sind sehr eng miteinander verbunden. Wenn man nun Kinder aus einer sehr emotionalen, ärgerlichen Situation heraus nimmt und sie auf die stille Treppe, den Stuhl, die Ecke oder sonstwohin schickt, dann wird der Augenmerk auf etwas anderes gelenkt. Es ist nicht die Konfliktlösung die im Vordergrund steht, sondern der Wunsch nach Ruhe. Also, dass das Kind still ist.

Außerdem veranschaulicht es dem Kind auf eine sehr einfache und wenig eloquente Art, dass die Erwachsenen die superiore Position einnehmen. Das sollte uns Erwachsenen klar sein und es ist nicht an uns, dies so plump darstellen zu müssen. Natürlich sind wir überlegen. Aber genau deswegen müssen wir es nicht zeigen oder beweisen. Das ist die Natur der Dinge.

Die Kinder können und werden nicht reflektieren wenn sie so sehr damit beschäftig sind den Vorgaben „still“ und „sitzen“ zu entsprechen. Eine Reflexion über das Gesagte kann nicht stattfinden. Alles was in den Kindern vorgeht – wenn überhaupt ist „Ok, wenn ich still bin kann ich aufstehen, wenn ich still bin, still, wenn ich still bin…“

Eine alternative Lösung ist sehr simpel. Die Kinder in ihr eigenes Zimmer zu schicken bzw. sie dorthin zu bringen, ist in meinen Augen deutlich sinnvoller. Denn dort haben sie ihre eigenen Dinge. Sollten sie sie vor Wut kaputt machen, werden sie Konsequenz spüren, die da heißen könnten „Wenn du aus Wut etwas kaputt machst, dann gibt es das nicht noch einmal.“ Sie können sich austoben, sie können wieder zu sich finden und dabei sind sie in ihrer eigenen Umgebung. Die Botschaft ist die gleiche: „Wenn du beruhigter bist, darfst du heraus kommen.“ oder – wenn es ganz schlimm war – „Du bleibst hier bis ich dich hole.“ (Damit meine ich natürlich nicht, dass die Kinder dort ewig bleiben. Man muss natürlich gucken gehen dass es ihnen gut geht und nach 10 min ist die Zeitspanne häufig schon längst erreicht.)

Für Kinder, die in ihrem eigenen Zimmer bereits mit Videogames, Handy und TV ausgestattet sind, herrscht hier natürlich ein Verbot für diese Zeit.

Das ist eine Idee – keine strikte Leitlinie. Dennoch: Die stille Treppe führt in meinen Augen überhaupt nicht in die richtige Richtung.

Strategien sind die LösungSanduhren

Was kann man tun?! Wenn man möchte, dass die Kinder aus dieser Entwicklungsphase gestärkt hervor gehen, kann man sie natürlich unterstützen.  Dafür benötigen wir einen weiteren Schritt.

Eine maßgebliche Veränderung lässt sich herbei führen, in dem man den Kindern eine Strategie mit an die Hand gibt, eine alternative Verhaltensweise. Man kann versuchen, die motorische Kommunikation in verbale Kommunikation umzulenken. Zum Beispiel könnte man dem Kind erklären, was es stattdessen machen soll, ein paar simple Beispiele:

  • Das Schubsen auf der Rutsche könnte man strategisch um wandeln in dem man sagt „Es wird nicht geschubst! Du willst vorbei, dann sag ‚Entschuldigung, kann ich vorbei?‘ „
  • Wenn einem Kind vor Wut die Fäustchen zittern könnte man beispielsweise sagen „Hör mal, wenn dir wieder die Fäustchen zittern, dann komm zu mir und wir können zusammen so laut schreien wie es geht. – Schlagen ist aber verboten! Dann geht es sofort heim!“
  • Nicht enden wollenden Schimpfworttiraden von Kindern kann man entgegenwirken, indem man die Kinder mit einer Eieruhr aufs Zimmer schickt. Ich habe dafür Eieruhren von 30 sek. bis 10min. Die Kinder können somit selbst sehen, wann sie wieder heraus kommen dürfen. Funktioniert bei uns relativ gut, es gehört zum Komplex der Selbstbestimmtheit.

Es gibt sehr viele unterschiedliche Möglichkeiten den Kindern Strategien an die Hand zu geben. Wenn dir keine passende Strategie einfällt, dann kontaktiere mich, oder kommentiere einfach. Bestimmt finden wir gemeinsam eine Lösung.

Klare Ansagen und alternative Strategien bringen den Erfolg

Zusammengefasst kann man sagen, dass sich eine Kombination aus Reglementierungen und alternativen Handlungsideen eine gute Option ist und zwar für alle Beteiligten. Durch unser Vorhaben eine alternative Strategie zum Hauen, Schlagen und Beißen zu entwickeln, müssen wir uns intensiv mit der Thematik beschäftigen. Das führt dazu, dass das wütende Kind bereits merkt „Oha, da interessiert sich ja jemand für mich…..und schimpft nicht nur blöd rum!“

Es ist also für alle von Vorteil.

Wie sehr ihr das Thema? Bitte lasst es mich wissen!

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